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Ausgrabungen „Schiebastual“

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Einer der bekanntesten Fundpunkte des südlichen Vorarlbergs stellt der so genannte ‚Schiebastual’ im Gemeindegebiet von Nenzing dar.

Er liegt südlich der Beschlinger Kirche und kann über die bestehenden Forstwege leicht erreicht werden. Er fällt trotz des heutigen Waldbewuchses durch seine durchgehende, annähernd waagrechte Terrassierung auf, die eine Länge von etwa 170 m und eine Breite von 50 m erreicht.
Ins Auge sticht weiters eine aufwendige, den Flanken des „Schiebastuals“ folgende Umwallung des gesamten Areals.

Altgrabungen:
Erste archäologische Ausgrabungen waren bereits in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts unter dem damaligen Direktor des Vorarlberger Landesmuseums, Herrn Adolf Hild, durchgeführt worden. Seine Untersuchungen konzentrierten sich, neben mehreren verstreut liegenden Flächen, vor allem auf den nördlichen Bereich des Scheibenstuhls. Er spricht die ergrabenen Befunde als Überreste verschiedenster Wohnbauten an und interpretiert den Scheibenstuhl als „Wallburg“ und „befestigten Platz der Urbevölkerung des Walgaus“.

Archäologische Grabungen HEUTE
Die aktuellen archäologischen Grabungen wurden von der Marktgemeinde Nenzing initiiert und vom Amt der Vorarlberger Landesregierung / Wisssenschaft und Forschung gefördert. Die Grabungen zielten vor allem auf eine nach dem neuesten Stand der modernen Wissenschaften durchgeführte und unabhängige Untersuchung des Grabungsplatzes. Vor allem galt es Unklarheiten in Bezug auf die Ergebnisse Adolf Hilds zu beleuchten, als auch neue Fragestellungen in Zusammenhang zur Archäologie im südlichen Vorarlberg aufzuwerfen und moderne Forschungsziele zu verfolgen. Die Untersuchungen begannen im Herbst 2005 und wurden heuer mit einer vier Wochen dauernden Kampagne fortgesetzt.

Der „Schiebastual“ als Brandopferplatz:
Ein Forschungsschwerpunkt der archäologischen Untersuchungen liegt im Bereich der nördlichen Terrasse. Hier wurden heuer zwei zusätzliche Flächen geöffnet, um eine möglichst umfassende Untersuchung des Areals zu erreichen. Dabei gelang es, Schnittstellen zwischen unberührten und in den vierziger Jahren ergrabenen Flächen zu eruieren und diese genauer zu analysieren. Als spektakulärer Befund erwies sich die Nachuntersuchung einer so genannten „Herdstelle“ von Adolf Hild, die er - einem Irrtum unterliegend – nicht völlig ausgegraben, sondern nur angeschnitten hatte. Im Zuge der Kampagne 2005 und 2006 kristallisierte sich deutlich heraus, dass es sich dabei nicht um einen „Herd“ sondern um eine „Opfergrube“, man spricht von einem so genannten „bothros“, handelte. Konkret bedeutet dieser archäologisch nachgewiesene Befund, dass der Scheibenstuhl nach neuesten Erkenntnissen nicht mehr als Siedlung, sondern als Brandopferplatz anzusprechen ist. Der Inhalt der „Opfergrube“ setzt sich aus einer engen Abfolge verschiedenster Brand- und Ascheschichten zusammen, die mit Knochengrus, d.h. klein gehackten, von der Hitze des Feuers weiß verfärbten Knochenstückchen, vermischt ist. Das Spektrum der Knochen umfasst Nutz- und Wildtiere, wie etwa Schaf, Ziege, Rind, Hirsch oder Hase.
Detaillierte archäozoologische und archäobotanische Analysen sind in Arbeit.

Das Fundspektrum:
Überraschend hoch fiel dieses Jahr das Fundaufkommen aus. Auf der einen Seite kamen mehrere, teils verzierte Keramikscherben, die einst Teil unterschiedlichster Gefäßtypen waren, zu Tage. Auf der anderen Seite konnten verschiedenste, -teils auf Grund der Korrosion noch nicht endgültig identifizierte- Metallfragmente geborgen werden.
Zu den schönsten Stücken gehören zwei eiserne Lanzenspitzen, ein Eisenmesser, zwei bronzene Fibelfragmente, eine fast völlig erhaltene, mit Punktkreisaugen verzierte Swastikafiblel und Reste eines Gürtelhakens mit Beschlag.
Der weitaus größte Anteil der Funde datiert bislang in den jüngeren Abschnitt der Eisenzeit, die so genannte Latènezeit (400/450 v.-15v. Chr.). Ein kleinerer Anteil der Fundstücke lässt sich der Römerzeit zuordnen, während nur ein einziges Keramikfragment als bronzezeitlich anzusprechen ist. Die Funde wurden - wie schon letztes Jahr - der Restaurierungswerkstätte des Institutes für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien übergeben, wo sie von Herrn Restaurator Norbert Hofer fachmännisch restauriert werden. Die neu restaurierten Funde sollen im Rahmen eines Vortrages im März 2007 im Gemeindehaus von Nenzing präsentiert werden!

Lehrgrabung und Vermessungspraktikum:
Die heurige Grabungskampagne wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Archäologie der Universität Innsbruck (Univ.-Prof. Dr. Harald Stadler) veranstaltet und insgesamt konnten an die zehn Studenten an den Grabungen teilnehmen und ein Lehrveranstaltungszeugnis erwerben. Parallel dazu wurde von Karsten Wink der praktische Teil seiner im heurigen Sommersemester gehaltenen Vorlesung zur Vermessungskunde an der Universität Innsbruck am „Schiebastual“ abgehalten. Freundlicher Weise wurde den (kostenlos arbeitenden) Studenten Kost und Logie von der Gemeinde Nenzing zu Verfügung gestellt. Dafür sei an dieser Stelle der Gemeinde Nenzing im Namen aller teilnehmenden Studenten herzlich gedankt!

„Tag der Offenen Grabung“ und „Experimentelle Archäologie“:
Zum ersten Mal im südlichen Vorarlberg konnte zusammen mit Frank Trommer ein zweitägiger ‚Tag der offenen Grabung’ mit ‚Experimentalarchäologie’ abgehalten werden. Im Rahmen dessen wurden vor Ort am „Schiebastual“ prähistorische Bronzegusstechniken und Fertigungsprozesse zu ausgesuchten Fundstücken vorgestellt. Dabei wurde eine komplette prähistorische Gießerwerkstatt mit allen Werkzeugen zum eigentlichen Guss sowie zur Weiterverarbeitung der Produkte aufgebaut und verschiedenste bronzezeitliche Werkzeuge und Schmuckstücke wurden in Sandsteinformen in einem nach archäologischen Befunden gebauten Ofen gegossen.
Parallel dazu fanden halbstündlich Führungen zu den neuesten Ergebnissen der archäologischen Grabungen statt, die neuesten Fundmaterialien wurden präsentiert und die alte Grabungsdokumentation von A. Hild wurde gezeigt.
Die Verköstigung übernahm der Geschichtsverein Beschling, der mit köstlichen Speisen und erfrischenden Getränken den Tag zu einem gelungenen Fest machte!

Archäologische Grabungen:

Langsam lichtet sich das Rätsel um die Bedeutung und Funktion des Scheibenstuhls und es gelingt den Archäologen Klarheit zu schaffen. Interpretierte der erste Ausgräber, Herr Museumsdirektor Adolf Hild, die Fundstelle noch als Siedlung, so wissen wir heute, dass es sich dabei um einen Brandopferplatz handelt. Mühevoll und in Kleinarbeit legen die Studenten der archäologischen Fachrichtungen und das Archäologenteam um Karsten Wink die einzelnen Schichten frei, trennen die gestörten von den originalen ‚in situ’ liegenden Bereichen, bergen aus dem stark mit Holzkohle und Knochengrus versetzten Erdsedimenten Keramiken und Metallfunde, dokumentieren, vermessen und zeichnen jedes Detail der Grabungen.

Was verbirgt sich nun an archäologisch-historischen Informationen hinter dem Fachbegriff ‚Brandopferplatz’?
Es handelt sich dabei um einen Kultplatz, den die umliegende Bevölkerung aufsuchte, um dort verschiedenste Brandopfer zur Huldigung der Götter durchzuführen. Bislang konnten vor allem tierische Opfergaben nachgewiesen werden, die man auf kleinen Steinaltären verbrannte. Der Nachweis von Rind, Schwein, Ziege und Wildtieren gelang. Dabei ist eine so genannte Selektion der Knochen bemerkbar. Nicht die fleischreichen Anteile, sondern vor allem die weniger zum Verzehr geeigneten Stücke, wie etwa die Läufe und Schädel der Tiere, wurden dargebracht. Botanische Analysen sollen zeigen, in wie weit auch Getreide, Hirse, Bohnen und andere Pflanzen im Ritus eine Rolle spielten, deren Nachweis makroskopisch ohne entsprechende Feinuntersuchungen schwerer ist.
Wie genau die Kulthandlungen von statten gingen, ist nicht bekannt, da weder schriftliche noch bildliche Quellen darüber berichten. Zur besseren Veranschaulichung kann als Vergleich das Rekonstruktionsmodell des Brandopferplatzes ‚Wallburg / Ultental (Südtirol) dienen, das im heutigen Archäologiemuseum in Bozen zu besichtigen ist. Von besonderem Interesse ist die lange Nutzung des Heiligtums, die sich - wie archäologische Funde eindeutig belegen - von der mittleren Bronzezeit (ca. 1500 v. Chr.) bis weit in die Römerzeit, ins 3. Jh. n. Chr., erstreckt. Im Zuge der diesjährigen Kampagne konnten vor allem mehrere Opfergruben, in denen die Überreste der Opferfeuer deponiert wurden, ergraben werden. Nächstes Jahr sollen vor allem die Altarstrukturen genauer unter die Lupe genommen und ans Licht gebracht werden.

Experimentalarchäologie für Groß und Klein:

Im Zuge der beiden ‚Tage der Offenen Grabung’ fanden Vorführungen zum Themenkreise Bronzeguss und Schmiedetechnik statt. Vor Ort wurden im Schmiedefeuer Schmuckstücke, Werkzeuge und Waffen gegossen und nachbearbeitet. Die Rekonstruktion der Schmiede und alle zum Einsatz kommenden und gezeigten Geräte und Werkzeuge orientierten sich an archäologischen Vorlagen. Während ‚live’ vor Ort Bronze verarbeitet wurde, erklärten die Archäologen Groß und Klein die technischen Abläufe und beantworteten Fragen zum urgeschichtlichen Metallhandwerk. Ergänzt wurde das Programm von Kochvorführungen und Erklärungen zum Speiseplan der urgeschichtlichen Bevölkerung, um so einen kleinen Eindruck der Alltagskultur zu vermitteln.

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